Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 192111
Datum der Veröffentlichung : 2/17/2018 12:03:00 PM
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Lehren aus dem Koran (2) Islam ist eine sozial-engagierte Religion (2)


Freitagsansprache von 29.12.2017
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten

Gesellschaft und Gemeinschaft ist aus der Sicht des Islams so gewichtig, dass es viele Koranverse und Überlieferungen darüber gibt. Für den Islam ist die „Gesellschaft“ besonders wertvoll, und auf der anderen Seite verpönt er die „Abgeschiedenheit und Zurückgezogenheit“. Gemäß den Lehren des Islams werden Gesellschaften, die die himmlischen Lehren befolgen, den Segen Gottes erhalten. So sagt auch Gott im Koran: „Und Wir setzten in die Herzen derjenigen, die ihm folgten, Mitleid und Barmherzigkeit“[1]

Mönchtum und Abgeschiedenheit aus der Sicht des Islams

Der Islam bezeichnet das Mönchtum und die Abgeschiedenheit als das Produkt derjenigen, die nichts von den wahren Lehren Jesu erfahren. Aus diesem Grund sagt auch Gott weiter in den oben genannten Koranvers: „und (auch) Mönchtum, das sie erfanden - Wir haben es ihnen nicht vorgeschrieben -, (dies) nur im Trachten nach Allahs Wohlgefallen. Sie beachteten es jedoch nicht, wie es ihm zusteht“[2]

Manche wählen die Abgeschiedenheit, um Gottes Güte zu erhalten, was jedoch keine richtige Darlegung der göttlichen Religion ist. Damit kann man nicht den Lehren gerecht werden.

Bedeutung des Mönchtums

Der Begriff „Rahbaniyat“ (Mönchtum) kommt von dem Wort „Rahbat“, was Angst und Furcht, hauptsächlich Furcht vor Gott, bedeutet. „Ragheb Esfehani“ ist der Ansicht, dass dieser Begriff die Furcht, einhergehend mit Frömmigkeit, darstellt.[3] Dieser Begriff wurde für Personen genutzt, die die Abgeschiedenheit wählten, und sich demzufolge vieles verboten haben, und sich vom sozialen Leben distanzierten.

Wir dürfen dabei nur nicht vergessen, dass „Rahbaniyat“ als einfache Lebensweise, und Meidung von Luxus eine Tugend ist.

 

Angestrebtes Mönchtum

Das Mönchtum in seiner Bedeutung als einfache Lebensweise und fern von Luxus, besonders bei den Gesandten Gottes und Anführern ist von besonderer Wichtigkeit und gewollt, da sie die Gesellschaften und Menschen beeinflussen sollte. Doch wenn man Sie damit definiert, dass man sich die Gaben Gottes entsagt, ist sie verpönt. Die Erläuterung der Schäden und Bedrohungen dieser Art von Mönchtum ist weit umfangreicher, als dass es hier erörtert werden könnte. Nur soweit, dass der Islam gegen solche Sichtweise ist, und sie ablehnt. Der Islam versucht mit seinen umfangreichen und vollständigen Lehren die zwischenmenschlichen Beziehungen zu fördern und die mehr zusammenzubringen. Er konzentriert sich auf die Gemeinsamkeiten in den Glauben und Ansichten der Menschen, und alles, was sie näherbringt. Er bezeichnet die Gläubigen als einen Körper, und selbst, wenn sie in ihrem Glauben Differenzen haben, werden sie aufgefordert, bei ihren Beziehungen und sozialen Leben das menschliche Aspekt nicht zu vergessen und die Würde zu wahren. Zum Beispiel betont Gott in diesem Koranvers: „Und sagt Gutes zu den Menschen“[4], dass die Menschen untereinander freundlich sein müssen. Außerdem müssen sie sich für die Behebung von Problemen, wie Armut, Krankheiten und Ungerechtigkeit einsetzen. So lesen wir in einigen Gebeten des Propheten des Islams (gegrüßet sei er) über Armut und Hilfe an den Bedürftigen: „Gott! Mach alle Bedürftige unabhängig.“[5] Selbst den nicht-Muslimen, die in einer islamischen Gemeinschaft in Frieden leben wollen, ruft der Islam die Gläubigen zu gerechtem Verhalten ihnen gegenüber: „Allah verbietet euch nicht, gegenüber denjenigen, die nicht gegen euch der Religion wegen gekämpft und euch nicht aus euren Wohnstätten vertrieben haben, gütig zu sein und sie gerecht zu behandeln. Gewiß, Allah liebt die Gerechten.“[6]

Islam und die Gemeinschaft

Wenn man die Überlieferungen studiert, kommt man zu dem Schluss, dass die Menschen versuchen sollten, ihre Gemeinschaft zu wahren, und die Rechte anderer zu respektieren. Wie eine Überlieferung vom Propheten (gegrüßet sei er) sagt: „Ihr Menschen! Wendet euch einer (einheitlichen) Gemeinschaft zu, und hütet euch davor, verstreut zu sein“[7]. Oder an einer anderen Stelle: „eine (einheitliche) Gemeinschaft ist Segen, und Zerstreutheit Qualen.“[8], an einer anderen Stelle sagt der geehrte Prophet (gegrüßet sei er): „Gottes Hand ruht auf dem Haupt der Gemeinschaft. Wer sich von der Gemeinschaft trennt, den verführt der Teufel, genauso, wie ein Wolf einen Schaf, der sich von der Herde entfernt hat, reißt.“[9] Man darf jedoch nicht außer Acht lassen, dass, falls an einigen Stellen über Abgeschiedenheit geredet wird, wie eine Überlieferung von Imam Ali (gegrüßet sei er), die sagt: „Die Gesundheit der Religion liegt in der Distanzierung von den Menschen.“[10] Oder: „Wer sich von den Menschen distanziert, der wird vor ihren Schäden sicher bleiben.“[11], Situationen gemeint sind, wo Kontaktpflege zu den anderen Menschen, den Glauben in Gefahr bringen. Solche Situationen haben zweifellos ihre besonderen Umstände. Daher zählen solche Überlieferungen nicht zu der Regel. Jeder Mensch sollte für die gesunde Pflege seines Glaubens also sich nicht von der Gemeinschaft distanzieren. Sondern im Gegenteil: Solche Überlieferungen sind für diejenigen, die schwach sind und dem Verwerflichen nicht Widerstand leisten können. Man kann also von diesen Überlieferungen zu dem Schluss kommen, dass man sich „von der Gemeinschaft distanzieren soll“. Man soll sich stets vor den Augen halten, dass – außen bestimmten Situationen – Abgeschiedenheit der Ursprung vieler Verwerflichem ist. Hier einige Beispiele:

1.  In der Abgeschiedenheit wird der Mensch seinen engsten Vertrauten gegenüber misstrauisch. Die Einsamkeit macht das Misstrauen noch schlimmer. Manchmal macht es aus dem Menschen einen irregeleiteten, undankbaren, neidischen und nachtragenden Menschen. Aber wenn diese Person in der Gesellschaft ist und gute und weise Freunde wählt, wird es ihm schnell klar, dass das alles nur falsche Wahrnehmungen waren.

2.  Abgeschiedenheit führt dazu, dass die Menschen ihre eigenen Fehler übersehen. Denn in der Gesellschaft werden einem die eigenen Fehler klar, dann versucht man auch, sie zu korrigieren. Aber wenn die Kontakte abbrechen, kann man die Fehler nicht mehr sehen.

3.  Ein zurückgezogener Mensch verfällt dem Egoismus, denn er liebt sich von Natur aus, ja ist sogar von sich fasziniert. Wenn man keinen Kontakt mit den anderen pflegt, wird man nicht die Möglichkeit haben, seine Taten zu vergleichen, dann wird man glauben, dass die eigenen Taten unfehlbar und ideal sind.

4.  Viele verwerfliche und unangemessene Gedanken und Launen kommen von Abgeschiedenheit und Zurückgezogenheit. Deshalb sind solche Menschen launisch, stur und egozentrisch.

5.  Zurückgezogene Menschen versäumen es, die Erfahrungen der anderen zu nutzen, und können keine Fortschritte erleben. Der Fortschritt des Menschen liegt in der gemeinschaftlichen Koexistenz. So hat der Mensch Zugang zu einem unendlich weiten Meer von Wissen. Die Erfahrungen der anderen gibt einem die Möglichkeit, seine Probleme zu bewältigen. Imam Ali sagt darüber: „Verstand bedeutet die Bewahrung von Erfahrungen“[12]

 

Schlusswort

Es existieren viele Koranverse und Überlieferungen darüber, dass man den Kontakt zu den anderen Menschen pflegen sollte. Jedem Muslim ist geraten worden, sich daran zu halten. Denn es ist dieser Gemeinschaftssinn, der die Grundlage schafft, dass die Menschen einander besser kennenlernen und verstehen, miteinander besser koexistieren und zur Vollkommenheit schreiten. Aus diesen Koranversen und Überlieferungen kann man schlussfolgern, dass die individuellen Verordnungen eine wichtige Rolle bei der Erschaffung einer islamischen Gesellschaft spielen, die den Menschen zur Vollkommenheit leiten.



[1] وَ جَعَلْنا في‏ قُلُوبِ الَّذينَ اتَّبَعُوهُ رَأْفَةً وَ رَحْمَةً, al-Hadid, Vers 27

[2] وَ رَهْبانِيَّةً ابْتَدَعُوها ما كَتَبْناها عَلَيْهِمْ إِلاَّ ابْتِغاءَ رِضْوانِ اللَّهِ فَما رَعَوْها حَقَّ رِعايَتِها, ebenda

[3] Ragheb Esfehani, Hossein bin Mohammad, Mofradat Alfaz al-Quran, S. 366, Beirut, 1. Auflage, Bita

[4]  وَقُولُوا لِلنَّاسِ حُسْنًا, al-Baqara, Vers 83

[5] اللَّهُمَّ أَغْنِ كُلَّ فَقِيرٍ؛, Kaf´ami, Ebrahim bin Ali Aameli, al-Balad al-Amin va al-Dar´ al-Hassin, S. 222, Moassisah al-Ilmi Lilmatbouat, 1. Auflage, 1418 nach dem Mondkalender

[6] لَّا يَنْهَاكُمُ اللَّـهُ عَنِ الَّذِينَ لَمْ يُقَاتِلُوكُمْ فِي الدِّينِ وَلَمْ يُخْرِجُوكُم مِّن دِيَارِكُمْ أَن تَبَرُّوهُمْ وَتُقْسِطُوا إِلَيْهِمْ ۚ إِنَّ اللَّـهَ يُحِبُّ الْمُقْسِطِينَ, al-Mumtahina, Vers 8

[7] Al-Mutaqi al-Hindi, Konzol Ammal, Ali, Band 1, S. 206, Überlieferung 1028, korrigiert von Safat al-Saqa, Beirut, Maktab al-Taras al-Islami, 1. Auflage, 1397 nach dem Mondkalender

[8] الجَماعةُ رَحمَةٌ والفُرْقَةُ عَذابٌ, Ebenda, Band 7, S. 558, Überlieferung 20242

[9] يدُ اللَّهِ على‏ الجَماعةِ، فإذا اشْتَذَّ الشّاذُّ مِنهُم اخْتَطَفَهُ الشّيطانُ كما يَخْتَطِفُ الذِّئبُ الشّاةَ الشّاذّةَ مِن الغَنَم, ebenda, Band 1, S. 206, Überlieferung 1032

[10] سَلامَةُ الدِّينِ في اعتِزالِ النّاسِ؛, Tamimi Amodi, Abdulvahid bin Mohammad, Tasnif Gharar al-Hikam va Darrar al-Kalam, S. 319, Überlieferung 7365, Qom, Tablighatbüro, 1. Auflage, 1987

[11] مَنِ اعتَزَلَ النّاسَ سَلِمَ مِن شَرِّهِم, Tamimi Amodi, Abdulvahid bin Mohammad, Gharar al-Hikam, S. 559, Überlieferung 506, Qom, darol Ketab al-Islami, 2. Auflage, 1410 nach dem Mondkalender

[12] وَالعَقلُ حِفظُ التَّجارِب, Nahdschulbalaqa, Brief 31



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