Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 191361
Datum der Veröffentlichung : 1/6/2018 6:08:00 AM
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Lehren aus dem Koran (1) Islam ist eine sozial-engagierte Religion (1)


Freitagsansprache von 15.12.2017
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Einer der wichtigsten Aspekte, auf die der Islam besonderen Wert legt, ist das sozialer Leben der Menschen. So sind andere Lebensweisen, wie „Abgeschiedenheit und Zurückgezogenheit“ vom Islam abgelehnt und verpönt. So versucht der Islam, die islamische Gemeinschaft zu soziales Zusammensein und Koexistenz aufzurufen. Mit anderen Worten werden die Muslime dazu aufgerufen, in Frieden zusammenzuleben und einander zu helfen. Eine Frage, die hier entsteht, ist, ob der Mensch seiner Neigung, (Abgeschiedenheit oder soziales Leben) nachgehen soll? Oder gibt es keine Neigung in der Natur des Menschen? Ist der Mensch ein Einzelgänger oder ein soziales Wesen?

Abgeschiedenheit oder Gemeinschaft

Diesbezüglich gibt es verschiedene Ansichten: Einige glauben an die Abgeschiedenheit und andere wiederum an eine Gemeinschaft. Einige sind der Ansicht, dass die Natur des Menschen auf Einsamkeit basiert, und andere, dass der Mensch ein soziales Wesen ist.

Eine allgemeine Studie der Koranverse zeigt, dass der Koran auf verschiedenen Weisen über die soziale Natur des Menschen gesprochen hat. Er betont, dass der Mensch seine Kontakte pflegen und ein gemeinsames Leben mit den anderen Menschen leben sollte, und rät davon ab, sich abzuscheiden und von der Gesellschaft zu distanzieren. Er bezeichnet das „mönchhafte Leben und Abgeschiedenheit“ als eine Bedrohung für die menschliche Gesellschaft.[1]

Geschichte des Mönchtums

In einer der Epochen der Menschheitsgeschichte, so ca. im dritten Jahrhundert nach Christus, fing mit der Machtergreifung des römischen Kaisers Decius eine Jagd nach den Christen. Dadurch entstand auch die abgeschiedene Lebensweise, da die Anhänger von Jesus, nach ihrer Niederlage vor diesem tyrannischen Kaiser in die Berge und Wüsten flüchteten, und setzten das Saat des Mönchtums.[2]

Ablehnung der Abgeschiedenheit in den Lehren der göttlichen Religionen

Eine Studie der himmlischen Schriften zeigt, dass die Abgeschiedenheit von der Natur der Lehren der göttlichen Propheten abgelehnt wird. Selbst in den Lehren des Christentums in den ersten drei Jahrhunderten sieht man nichts von Mönchtum. Vielmehr haben einige Unwissende diese falsche Tradition, die nichts mit den Lehren des Christentums zu tun hat, erschaffen. Wir dürfen nicht vergessen, dass sich islamische und nicht-islamische Soziologen einig sind, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Mit anderen Worten ist der Mensch mit einer sozialen Natur erschaffen worden, damit er, neben seinen anderen Mitmenschen ein soziales Leben zu führen. Einige Soziologen haben die soziale Natur des Menschen anderes definiert, nämlich, da der Mensch verschiedene Bedürfnisse hat, kann er sie nicht im Alleingang decken, und braucht dafür andere Menschen.

Gemeinsamkeit aus der Sicht des Korans

Die verschiedenen Bedürfnisse des Menschen, wie Wohnraum, Nahrung, Hygiene, Sicherheit und … zeigen, dass der einzelne Mensch nicht in der Lage ist, alle diese Bedürfnisse zu decken. Aus diesem Grund müssen die Menschen mit einander Kontakt aufnehmen und miteinander koexistieren, um gegenseitig diese Bedürfnisse zu decken, und gemeinsam die Probleme zu beheben.

Gott ruft im Koran die Menschen zu einem gemeinschaftlichen Zusammenleben auf, und beschreibt in verschiedenen Suren die Regelungen eines gemeinschaftlichen Lebens, wie: „Helft einander zur Güte und Gottesfurcht, aber helft einander nicht zur Sünde und feindseligem Vorgehen“[3], „Handelt gerecht“[4], „O ihr Menschen, Wir haben euch ja von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt. Gewiß, der Geehrteste von euch bei Allah ist der Gottesfürchtigste von euch. Gewiß, Allah ist Allwissend und Allkundig.“[5]

Solche Verse gibt es im Koran viele. Man kann – basierend auf den Koran, Verstand und der Tradition – zu dem Schluss kommen, dass der Mensch ein soziales Wesen ist, und, wenn die Voraussetzungen in der Gesellschaft gegeben sind, kann der Mensch seine hohen Ziele erreichen. Ziele, wie Güte, Gerechtigkeit und Sicherheit. Abgeschiedenheit und Einsamkeit stehen weder im Einklang mit der Natur des Menschen, noch mit den Lehren des Islams. Selbst im Gebet ruft der Islam zur Gemeinschaft auf: Tagesgebet und Freitagsgebet sollen in der Gemeinschaft verrichtet werden, und die Lehren und Verordnungen über die Menschenrechte. Auch andere soziale Verordnungen, wie: Das Gebieten des Rechten und Verbieten des Verwerflichen, soziale Gesetze und Regelungen für Mitbürgerschaft und …. So gesehen ist der Islam eine soziale Religion, und hat mehrere Gesetze für die Regelung und Ausbau der zwischenmenschlichen Beziehungen, Kooperation und friedliche Koexistenz.

Eine Studie der Koranverse zeigt, dass jeder Vers auf seiner eigenen Weise aus die Gemeinschaftlichkeit hinweist. Als Beispiel kann man die folgenden Verse nennen: „Und wenn sie dich betrügen wollen - gewiß, so ist deine Genüge Allah. Er ist es, Der dich mit Seiner Hilfe und mit den Gläubigen gestärkt hat. * Und Er hat ihre Herzen zusammengefügt. Wenn du alles, was auf der Erde ist, (dafür) ausgegeben hättest, hättest du ihre Herzen nicht zusammenfügen können. Aber Allah hat sie zusammengefügt. Gewiß, Er ist Allmächtig und Allweise.“[6] Wenn also der Islam eine Religion der Abgeschiedenheit und Einsamkeit wäre, würde Gott niemals im Koran – wie in diesen beiden Koranversen – dem Propheten (gegrüßet sei er) über das Zusammenfügen der Herzen der Gläubigen als ein großes Wunder sprechen. So eine Redensart betont, dass die Einigkeit der Herzen und Gemeinschaft eine Notwendigkeit ist. Dies ist einer der wichtigsten Missionen des Propheten (gegrüßet sei er). Der Prophet (gegrüßet sei er) hat die verwerfliche Kultur seiner Zeit, die auf Unwissenheit und Ignoranz basiert war, und Neid, Hass, Krieg und Trennung zufolge hatte, mit Lehren, basierend auf Güte, Zuneigung, Nähe und Versöhnung (also eine Gesellschaft, einhergehend mit Bestand) ersetzt. Er schaffte es, mit Hass erfüllte Herze in Liebe und Koexistenz umzuwandeln. Diese Änderung im Geist und in der Natur des Menschen ist einer der wichtigsten und tiefgründigen Wunder des Propheten (gegrüßet sei er). Er schaffte es nämlich, die brutale Kultur der Unwissenheit durch die Kultur der Propheten zu ersetzen – eine Kultur der Einigkeit und Zusammenhalt. Das beste Beispiel dafür ist das freundschaftliche Verhalten der „Ansar“[7] gegenüber den „Mohajerin“[8], nachdem diese in Medina eintrafen. Auch Sippen, die Jahrelang miteinander verfeindet waren und Krieg führten, schaffte er, zu verbrüdern und in ihnen den Geist der Koexistenz wiederzubeleben. Gott ruft im Koran auf die Ablehnung von Hass und Gewalt, und sagt: „Und haltet alle fest am Seil Allahs und geht nicht auseinander! Und gedenkt Allahs Gunst an euch, als ihr Feinde wart und Er dann eure Herzen zusammenführte, worauf ihr durch Seine Gunst Brüder wurdet. Und (als) ihr am Rand einer Feuergrube wart und Er euch dann davor errettete. So macht Allah euch Seine Zeichen klar, auf daß ihr rechtgeleitet werden möget!“[9]

Einer der wichtigen Lehren dieses Koranverses ist, dass nach dem Aufruf zur Einigkeit und Standhaftigkeit, nach „Festhalten am Seil Gottes“, wenn der Mensch in Abgeschiedenheit und Einsamkeit gerät, würde Freundschaft und Einigkeit nach „Festhalten am Seil Gottes“ seine Bedeutung für die verschiedenen Gruppen keine Bedeutung haben. Interessant ist, dass der oben genannte Koranvers die Feindschaft als ein Erbe der Ära der Unwissenheit, und Freundschaft und Liebe als die Eigenschaft der Lehren des Islams bezeichnet. So sagt er: Wenn Ihr in der Vergangenheit Feinde wart, so seid Ihr jetzt Brüder. Anders gesagt betont er, dass in der Vergangenheit Ihr am Rande eines Abgrunds des Feuers wart, doch Gott hat euch gerettet. So macht Allah euch Seine Zeichen klar, auf daß ihr rechtgeleitet werden möget!



[1] وَرَهْبَانِيَّةً ابْتَدَعُوهَا مَا كَتَبْنَاهَا عَلَيْهِمْ, und (auch) Mönchtum, das sie erfanden - Wir haben es ihnen nicht vorgeschrieben, al-Hadid, Vers 27

[2] Enzyklopädie des zwanzigsten Jahrhunderts, Kapitel des Mönchtums

[3] وَتَعَاوَنُوا عَلَى الْبِرِّ وَالتَّقْوَىٰ ۖ وَلَا تَعَاوَنُوا عَلَى الْإِثْمِ وَالْعُدْوَانِ, al-Ma´ida, Vers 2

[4] اعْدِلُوا هُوَ أَقْرَبُ لِلتَّقْوَىٰ, al-Maída, Vers 8

[5] يا أَيُّهَا النَّاسُ إِنَّا خَلَقْناكُمْ مِنْ ذَكَرٍ وَ أُنْثى‏ وَ جَعَلْناكُمْ شُعُوباً وَ قَبائِلَ لِتَعارَفُوا إِنَّ أَكْرَمَكُمْ عِنْدَ اللَّهِ أَتْقاكُمْ إِنَّ اللَّهَ عَليمٌ خَبير, al-Hujurat, Vers 13

[6] وَإِن يُرِيدُوا أَن يَخْدَعُوكَ فَإِنَّ حَسْبَكَ اللَّـهُ ۚ هُوَ الَّذِي أَيَّدَكَ بِنَصْرِهِ وَبِالْمُؤْمِنِينَ * وَأَلَّفَ بَيْنَ قُلُوبِهِمْ ۚ لَوْ أَنفَقْتَ مَا فِي الْأَرْضِ جَمِيعًا مَّا أَلَّفْتَ بَيْنَ قُلُوبِهِمْ وَلَـٰكِنَّ اللَّـهَ أَلَّفَ بَيْنَهُمْ ۚ إِنَّهُ عَزِيزٌ حَكِيمٌ, al-Anfal, Vers 62 und 63

[7] Anhänger des Propheten Mohammed aus Medina, die ihn und seine Anhänger aus Mekka, die sogenannten Mohajerin, im Jahr 622 in ihrer Stadt aufnahmen.

[8] Auswanderer

[9] وَاعْتَصِمُوا بِحَبْلِ اللَّـهِ جَمِيعًا وَلَا تَفَرَّقُوا ۚ وَاذْكُرُوا نِعْمَتَ اللَّـهِ عَلَيْكُمْ إِذْ كُنتُمْ أَعْدَاءً فَأَلَّفَ بَيْنَ قُلُوبِكُمْ فَأَصْبَحْتُم بِنِعْمَتِهِ إِخْوَانًا وَكُنتُمْ عَلَىٰ شَفَا حُفْرَةٍ مِّنَ النَّارِ فَأَنقَذَكُم مِّنْهَا ۗ كَذَٰلِكَ يُبَيِّنُ اللَّـهُ لَكُمْ آيَاتِهِ لَعَلَّكُمْ تَهْتَدُونَ, al-i-Imran, Vers 103


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