Islamisches Zentrum Hamburg
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Datum der Veröffentlichung : 1/6/2018 11:04:00 AM
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Die Religiöse Lebensweise (30)

Freitagsansprache von 08.12.2017
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Um den Menschen im Dies- und Jenseits zur Seligkeit zu verhelfen, hat der Islam sowohl für die individuellen Bereiche, als auch für die sozialen Aspekte des Menschen, Pläne. Deshalb hat auch der Islam für die Rechtleitung der Menschen besondere Verordnungen.

 Zusammengehörigkeit der individuellen und sozialen Aspekte der Menschen in der Geschichte

Der Mensch besitzt von Natur aus das Gefühl des Beisammenseins. Historische Forschungen zeigen, dass das Gefühl, in einer Gesellschaft sein zu wollen, ein Teil des Lebens der Menschen ist. Sie ist auch leicht zu erzielen. Die sozialen Dimensionen der Menschen entwickelten sich – genau wie die anderen inneren Aspekte des menschlichen Daseins – parallel zu den materiellen und spirituellen Tugenden immer weiter und schreiten zur Vollkommenheit. Empirische Studien bezeugen, dass zu keiner Zeit der Mensch seine gesellschaftliche Seite ignorierte – selbst wenn sie zu Beginn der Existenz der Menschen nicht so stark ausgeprägt war.

Rolle der göttlichen Propheten bei der Bestimmung der gesellschaftlichen Seite der Menschen

Die Propheten waren die ersten, die die Menschen ihrer sozialen Seite bewusstmachten. Sie verdeutlichten die Wichtigkeit des Zusammenlebens. Der Koran weist auf diesen Punkt hin, und sagt: „Die Menschen waren nur eine einzige Gemeinschaft. Dann wurden sie uneinig. Wenn es nicht ein früher ergangenes Wort von deinem Herrn gäbe, so wäre zwischen ihnen wahrlich entschieden worden über das, worüber sie uneinig sind.“[1], und an einer anderen Stelle steht: „Die Menschen waren eine einzige Gemeinschaft. Dann schickte Allah die Propheten als Verkünder froher Botschaft und als Überbringer von Warnungen und sandte mit ihnen die Bücher mit der Wahrheit herab, um zwischen den Menschen über das zu richten, worüber sie uneinig waren. Doch nur diejenigen waren - aus Mißgunst untereinander - darüber uneinig, denen sie gegeben wurden, nachdem die klaren Beweise zu ihnen gekommen waren. Und so hat Allah mit Seiner Erlaubnis diejenigen, die glauben, zu der Wahrheit geleitet, über die sie uneinig waren. Und Allah leitet, wen Er will, auf einen geraden Weg.“[2]

Sicht des Islams bezüglich der sozialen Aspekte der Menschen

Der Islam hat seinen Aufruf zum Glauben an die Gesellschaft gerichtet, und hat in keiner Weise in den Verordnungen die Würde des Menschen missachtet. Wenn einige der Verordnungen des Islams, wie: „Pilgerfahrt, Tagesgebet, Almosen, das Gebieten des Rechten und Verbieten des Verwerflichen“ genau umgesetzt werden, sieht man, dass die Natur dieser Verordnungen Gesellschaftsbasierend ist, und die Menschen zur Teilnahme an gesellschaftlichen Zusammenkünften verleiten. Solche Verordnungen sind da, um die Gesellschaft zu koordinieren, denn das wichtigste Ziel der gesellschaftlichen Seite ist der Weg zu einer Gesellschaft, die auf den Glauben an Gott und die Wiederauferstehung basiert, damit die Menschen in einer geeigneten Atmosphäre und in Beisammensein „Seligkeit, Nähe zu Gott und Umsetzung der Gerechtigkeit“ erlangen. Aus den Koranversen und Überlieferungen kann man entnehmen, dass der Prophet des Islams (gegrüßet sei er) ein großer Versöhner der menschlichen Gesellschaft ist. Er schaffte es, mit seinem ethischen Management und gemäßigte Vorgehensweise[3] die verwerfliche Kultur der Unwissenden zu verändern und die Menschen zur Knechtschaft Gottes rechtzuleiten.

Aus der Sicht von Shahid Motahari ist das gesellschaftliche Leben eine gesunde Form des Lebens, wo die Mitglieder die Rechte der anderen respektieren und sich für die Umsetzung der Gerechtigkeit einsetzten. In so einer Gesellschaft sind alle freundlich zueinander, und wollen für den anderen das, was sie selber mögen, und raten andere von dem ab, woran sie selbst keinen Gefallen finden. Sie sind gläubige Menschen, vertrauen einander und versuchen die Probleme der anderen zu lösen.[4] Der Islam hat Verordnungen zur Besserung der zwischenmenschlichen Beziehungen bestimmt, Verordnungen, wie: „Respektierung der Rechte der Verwandten und Beziehung zwischen ihnen“. Gott sagt diesbezüglich: „Und fürchtet Allah, in Dessen (Namen) ihr einander bittet, und die Verwandtschaftsbande.“[5] Auch vom Propheten des Islams (gegrüßet sei er) wird überliefert: „Güte zu den Eltern und Kontaktpflege mit den Verwandten macht die Abrechnung am Jüngsten Tag leicht.“[6] Eine andere Überlieferung vom Propheten (gegrüßet sei er) besagt: „Habt gute Manieren und behandelt eure Nachbarn freundlich und respektiert eure Ehepartner, damit Ihr ohne Abrechnung in den Himmel kommt.“[7]

Ein weiterer Aspekt, der die zwischenmenschlichen Beziehungen bessern kann, und zu dem besonders aufgerufen wird, ist der „richtige Kontakt zu den Gläubigen“. Dies wird in den islamischen Deutungen als brüderliche Koexistenz erwähnt. Diese Darlegung ist in diesem Zusammenhang eine sehr schöne und zierliche Definition. Imam Sadegh (gegrüßet sei er) sagt diesbezüglich: „Ein Muslim ist der Bruder eines Muslims, er ist sein Auge und Spiegel, er wird ihn nicht betrügen und ihm keinen Schaden zufügen, er wird ihm kein Unrecht zufügen, ihn nicht Lügner nennen und hinter seinem Rücken nichts Schlechtes sagen.“[8] Der Prophet des Islams (gegrüßet sei er) sagt: „Die Gläubigen sind in Freundlichkeit und Nachsicht miteinander wie ein Körper. Sobald einer klagt, ruhen die anderen nicht und eilen dem Klagenden zu Hilfe“[9]

Bruderschaft aus der Sicht des Islams

Damit einer seine Bruderschaft in einer religiösen und islamischen Gemeinschaft zeigen und beweisen kann, gibt es nur ein Kriterium, nämlich „Der Mensch selbst“. Vom Propheten der Güte (gegrüßet sei er) wird überliefert: „Der Prophet (gegrüßet sei er) bereitete sich vor, in eine Schlacht zu ziehen, als ein Beduine kam, sich an den Bügel vom Kamel des Propheten klammerte und sagte: „Oh Prophet Gottes! Lehre mich etwas, wodurch ich in den Himmel komme. Der Prophet (gegrüßet sei er) sagte: „Tue das mit den Leuten, von dem du willst, dass die anderen es mit dir tun, und meide das, von dem du nicht willst, dass die anderen es mit dir tun.“[10]

Nennen wir nun, da bis jetzt genau erwähnt wurde, was die zwischenmenschlichen Beziehungen fördert, einige Beispiele die diese Beziehungen unterstützen: freundliche Gesten, lächeln, grüßen, Hand geben[11], nach den Namen fragen, Platz freimachen, damit er sich neben dich setzen kann, respektieren der Person, und Nachsicht mit den Menschen,[12] und angenehme Themen zum Sprechen wählen.[13]

Schlusswort

Die Regeln und Verordnungen des Islams über die gesellschaftlichen Gepflogenheiten sind so umfangreich, dass man für jeden von ihnen ein ganzes Buch schreiben, und für jeden viele Lesungen abhalten könnte. Doch eins ist klar: Aus der Sicht des Islams ist die Gesellschaft so wichtig, dass in dieser Religion die „Einigkeit“ und Ablehnung von Zwiespalt eine göttliche Aufgabe ist. Rasse, Sprache, Nationalität, Wirtschaft, Politik und Kultur dürfen bei der Einigkeit keine Rolle spielen. Der Mensch und die Respektierung des Menschen sollen ausschlaggebend sein. So eine Einigkeit kann nicht nur äußerlich sein, sondern basiert auf die Nähe der Herzen und Vermeidung vom Neid und Hass.

Wenn die religiöse Lebensweise in den verschiedenen Dimensionen des Lebens der Menschen zum Vorschein kommt, werden die Menschen und Gläubigen die wahre Seligkeit im Dies- und Jenseits erhalten und den Himmel auf Erden erleben.



[1] وَمَا كَانَ النَّاسُ إِلَّا أُمَّةً وَاحِدَةً فَاخْتَلَفُوا ۚ وَلَوْلَا كَلِمَةٌ سَبَقَتْ مِن رَّبِّكَ لَقُضِيَ بَيْنَهُمْ فِيمَا فِيهِ يَخْتَلِفُونَ, Yunus, Vers 19

[2] كَانَ النَّاسُ أُمَّةً وَاحِدَةً فَبَعَثَ اللَّـهُ النَّبِيِّينَ مُبَشِّرِينَ وَمُنذِرِينَ وَأَنزَلَ مَعَهُمُ الْكِتَابَ بِالْحَقِّ لِيَحْكُمَ بَيْنَ النَّاسِ فِيمَا اخْتَلَفُوا فِيهِ ۚ وَمَا اخْتَلَفَ فِيهِ إِلَّا الَّذِينَ أُوتُوهُ مِن بَعْدِ مَا جَاءَتْهُمُ الْبَيِّنَاتُ بَغْيًا بَيْنَهُمْ ۖ فَهَدَى اللَّـهُ الَّذِينَ آمَنُوا لِمَا اخْتَلَفُوا فِيهِ مِنَ الْحَقِّ بِإِذْنِهِ ۗ وَاللَّـهُ يَهْدِي مَن يَشَاءُ إِلَىٰ صِرَاطٍ مُّسْتَقِيمٍ, al-Baqara, Vers 213, und auch, siehe ash-Shura, Vers 13

[3] Der Prophet (gegrüßet sei er) sagt selbst darüber: „Wir haben die Gesellschaft der Gesandten zur gemäßigten Verhalten mit den Menschen aufgerufen, genauso wie wir beauftragt sind, die Pflichten einzuhalten.“ (Toussi, Mohammad bin Hassan, al-Amali, S. 521, Überlieferung 1150, Qom, Darolsaqafah, 1. Auflage, 1414 nach dem Mondkalender

[4] Siehe: Motahari, Morteza, Gottes Gerechtigkeit (gesammelte Werke) Band 1, S. 221, Teheran – Qom, Sadra, 8. Auflage, 1998

[5] وَاتَّقُوا اللَّـهَ الَّذِي تَسَاءَلُونَ بِهِ وَالْأَرْحَامَ, al-Nissa, Vers 1

[6] بِرُّ الْوَالِدَيْنِ وَ صِلَةُ الرَّحِمِ يُهَوِّنُ الْحِسَابَ, Ayashi, Mohammad bin Massoud, Tafsir al-Ayashi, Band 2, S. 208, Überlieferung 28, Teheran, al-Mutalibat al-elmiah, 1. Auflage, 1380 nach dem Mondkalender

[7] حسنوا اخلاقكم و الطفوا بجيرانكم و أكرموا نساءكم تدخلوا الجنة بغير حساب, al-Amin, al-Seyed Mohsen, Ayan al-Shi´ah, Band 1, S. 301, Forschungsarbeit von Hassan al-Amin, Beirut, Darol Ta´arof Lilmatbouat, Bita

[8] الْمُسْلِمُ أَخُو الْمُسْلِمِ هُوَ عَيْنُهُ وَ مِرْآتُهُ وَ دَلِيلُهُ لَا يَخُونُهُ وَ لَا يَخْدَعُهُ وَ لَا يَظْلِمُهُ وَ لَا يَكْذِبُهُ وَ لَا يَغْتَابُهُ, Kellini, Mohammad bin Yaqoub, al-Kafi, Band 2, S. 166, Überlieferung 5, Teheran, Darolkotob al-Eslamiah, 4. Auflage, 1407 nach dem Mondkalender

[9] Al-Bukhari, Abuabdullah Mohammad bin Esmaeil, Sahih al-Buchari, Band 5, S. 2238, Überlieferung 5665, eine Forschungsarbeit von Mostafa Dib al-Baqa, Beirut, Dar ibn Kasir, al-Tab´at al-Rabiat, 1410 nach dem Mondkalender

[10] Kellini, ebenda, Band 2, S. 146, Überlieferung 10

[11] Prophet des Islams (gegrüßet sei er) sagt: تَبَسُّمُكَ في وَجهِ أخيكَ صَدَقةٌ wenn du deinem Bruder ein Lächeln schenkst, ist es eine Wohltätigkeit (al-Tarmazi, Mohammad bin Issa, Sonan al-Tarmaz (al-Djame al-Sahih), Band 4, S. 3340, Überlieferung 1956, eine Forschungsarbeit von Ahmad Mohammad Shaker, Beirut, Dar Ehya al-Taras, Bita), Imam Ali sagt: طَلاقَةُ الوَجهِ بِالبِشرِ وَالعَطِيَّةُ، و فِعلُ البِرِّ وبَذلُ التَّحِيَّةِ، داعٍ إلى‏ مَحَبَّةِ البَرِيَّة Freundlichkeit, Almosen, wohltätige Zwecke und grüßen stärken die Freundschaften (Tamimi Amodi, Abdolvahid bin Mohammad, Gharar al-Hikam, S. 437, Überlieferung 49, Qom, Darolketab al-Islamiyah, 2. Auflage, 1410 nach dem Mondkalender), Prophet des Islams (gegrüßet sei er) sagt: تَصَافَحُوا فَإِنَّ الْمُصَافَحَةَ تَزِيدُ فِي الْمَوَدَّة Gebt euch die Hand, denn Handschütteln stärkt die Freundschaft (Ibn Ash´as, Mohammad bin Mohammad, Al-Djafariat (al-Ash´asiyat) S. 153, Teheran, Maktab al-Ninive al-Hadithat, 1. Auflage, Bita)

[12] يا أَيُّهَا الَّذينَ آمَنُوا إِذا قيلَ لَكُمْ تَفَسَّحُوا فِي الْمَجالِسِ فَافْسَحُوا يَفْسَحِ اللَّهُ لَكُم O die ihr glaubt, wenn zu euch gesagt wird: "Macht Platz!" in den Versammlungen!, dann schafft Platz, so schafft auch Allah euch Platz. Imam Reza sagt: „كَانَ أَمِيرُ الْمُؤْمِنِينَ(ع) يَقُولُ لَا يَأْبَى الْكَرَامَةَ إِلَّا حِمَارٌ قُلْتُ مَا مَعْنَى ذَلِكَ قَالَ التَّوْسِعَةُ فِي الْمَجْلِسِ وَ الطِّيبُ يُعْرَضُ عَلَيْهِ von Imam Ali wird überliefert: Niemand lehnt Achtung und Respekterweisung ab, außer Muli. Hassan bin Djahom sagte: Ich fragte: Was ist mit Achtung gemeint? Er sagte: Platz schaffen, damit er sich setzen kann, und ihm wohlriechende Düfte anbieten. (ibn Babuye, Mohammad bin Ali (Sheikh Sadouq) Oyun al-Ikhbar al-Ridha, Band 1, S. 311, Überlieferung 77, Teheran, Djahan Publikationen, 1. Auflage, 1378 nach dem Mondkalender)

[13] وَقُل لِّعِبَادِي يَقُولُوا الَّتِي هِيَ أَحْسَنُ Und sag Meinen Dienern, sie sollen das, was am besten ist, sagen., al-Isra, Vers 53, Imam Ali sagt: لا تَغضَبُوا وَ لا تُغضِبُوا، ... وَ أَطِيبُوا الكَلام, erzürnt euch nicht und erzürnt niemanden, …, sagt schöne Worte (Kellini, ebenda, Band 2, S. 645, Überlieferung 7).




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