Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 189173
Datum der Veröffentlichung : 8/22/2017 10:03:00 PM
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Die Religiöse Lebensweise (21)


Freitagsansprache von 18.08.2017
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Einer der Themen, die in den vorherigen Debatten erwähnt wurde, und in der es keine Zweifel gibt, ist, dass der direkte Kontakt mit der Religion eine tiefe Wirkung auf die seelische Ruhe hat. Sie hilft einem, die alltäglichen Entwicklungen zu analysieren und zu bewerten. Ein religiöser Mensch wird weniger mit Herausforderungen und Missverständnisse konfrontiert. Der seelische Frieden ist etwas, wonach alle streben, doch wichtig ist, wie man sie erreichen kann.

Glaube und seelischer Frieden

In den religiösen Lehren wurde diese Frage, wie man den seelischen Frieden erreichen kann, beantwortet. Die Religion leitet einen zu diesem Ziel, und lehrt einem wie man diesen Frieden bekommen kann. Beten, Rückkehr zu Recht, Gedenken Gottes, richtiges Verständnis über sich selbst und die Welt, sind Wege, die in den islamischen Lehren genannt wurden, und die als Vorbild genommen werden sollten. Man sollte sie nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern sie in Betracht ziehen und soweit wie nur möglich befolgen, damit man auch das Ergebnis sieht.

Rolle des Gebets für den inneren Frieden

Einer der Themen, die heute das Interesse der Forschungszentren auf sich gelenkt hat, ist das Beachten des Gebets und Gott, beten zu Gott und die Hingabe zum Schöpfer. Einige der Wissenschaftler sind der Ansicht, dass Gott durch die Wissenschaft erforscht wurde. Doch die muslimischen Gelehrten glauben, dass die Beachtung Gottes als der allmächtige Schöpfer, ein inneres Bedürfnis eines jeden Menschen ist. Der Mensch muss, um dieses Bedürfnis erreichen zu können, sich selbst erforschen. Denn den Schleier, den die Menschen auf ihre Natur gezogen haben, ist ein Hindernis, um den Geist des Allmächtigen kennenzulernen. Wenn man diesen Schleier von der Seele beiseite schiebt, kann man erneut die wahre Natur sehen und die absolute Wahrheit wiederbeleben.

Gerade wegen der Entwicklungen und Fortschritte in der Wissenschaft kann man die Rolle des Gebetes für den inneren Frieden nicht übersehen, und ihn als Aberglaube abstempeln. Man muss ihn als die Grundlage aller wahren Glauben des Menschen sehen.

Wenn nun „das Gebet und Gedenken Gottes“ unter den Menschen wiederbelebt wird, dann kehrt auch der wahre innere Frieden in einem zurück, und der Mensch wird von diesen Unruhen und Besorgnisse befreit. Erst diese Beachtung kann den Menschen von den Problemen und Leiden befreien. Gott sagt im Koran: „und nur meinen Herrn anrufen. Vielleicht werde ich im Bittgebet zu meinem Herrn nicht unglücklich sein.“[1]

Was man nicht vergessen darf, ist, dass, wenn der Mensch sich von diesen Vernachlässigungen befreit, und sich ernsthaft vornimmt, sich Gott zu nähern, und sein Herz Gott widmet, er auch zweifellos vom Gott erhört wird. Natürlich muss er an diesen Weg innerlich glauben. Imam Sadegh sagt diesbezüglich: „Gott erhört nicht das Gebet eines irrenden Herzens. Wenn du Gott aus dem tiefsten Inneren deines Herzens anbetest, so sei dir sicher, dass es auch erhört wird.[2] Mit dieser Sichtweise kann der Mensch innernen Frieden finden und Hoffnung aufs Leben bekommen – denn er hat eine Stütze gefunden, die auch seine Ausdauer gegenüber den Leiden und Schwierigkeiten erhöht. In Wahrheit verlassen Hoffnungslosigkeit und Zweifel sein Leben.

Rolle des Verstandes bei der gedanklichen Erziehung des Menschen

Was heute in allen Lebenslagen – besonders in Bildungsbereichen – als ein Grundsatz angesehen werden muss, ist „Verstand und Denken“. Mit der richtigen Denkweise können die Menschen richtige und tiefgründige Erkenntnisse und Analysen erhalten, und das Leben schön und optimistisch sehen. Daher muss man den Menschen das „richtig Denken“ beibringen, damit sie das innere Juwel in sich entdecken.

Wenn das Denken seinen Weg in das Leben der Menschen findet, kann man alle Probleme bewältigen, und sich keine Furcht überkommen lassen. Das Ergebnis ist, dass man sich nicht mehr sorgt und keine Unruhe hat. Ein weiser Mensch versucht mit Verstand für alles, was auf ihn zukommt, eine Lösung zu finden. So ein Mensch wird niemals von einer Unhöflichkeit gekränkt, obwohl er es auch nicht für seine Gegenseite vermag. Dabei versucht er ihn rechtzuleiten, und abzuraten, andere zu ärgern, und oberflächlich zu denken.

Bei Unhöflichkeiten verliert er nicht die Fassung und wird nicht hoffnungslos, sondern findet sich damit ab. Er sieht in Lästern hinter seinem Rücken, Anschuldigungen und Unhöflichkeiten nicht als das Ergebnis eines Mangels an sich selbst, sondern bezeichnet diese Untugenden nicht als Werte der Menschen. So ein Mensch, mit so einer Denkweise über die Geschehnisse um ihn herum, wirkt mit Verstand solchen Ereignisse entgegen und geht seinen Lebensweg weiter. Ihm ist nicht wichtig, was die anderen von ihm denken.

Mangel an richtige Denkweise, Ursache der Identitätslosigkeit

Leider ist eine mangelnde Denkweise der Grundstein für die Identitätslosigkeit und Nihilismus unter den Menschen. Es kann sogar zur Selbstgeißelung und Selbstmord führen. Ein Großteil der Schäden, die die Menschen heimsuchen, kommt von mangelndem Selbstbewusstsein und Identitätslosigkeit Einer der renommierten Soziologen der Universität Princeton „Ronald Light“ zufolge leben allein in den USA derzeit ca. Fünf Millionen Menschen, die mindestens ein Mal im Leben Selbstmord begangen haben. Trotz aller Bemühungen der Organisationen zur Verhinderung von Selbstmord, gibt es noch immer keine nennenswerte Fortschritte in diesem Bereich. Das sind Menschen, die wegen Hoffnungslosigkeit und Identitätslosigkeit, Einsamkeit und mangelnden Glauben an Leben, Sorge und Angst vor sozialen Krisen so eine Tat begehen. Dies kann auch nicht mit einer richtigen Denkweise behoben werden[3]. Es braucht auch ein richtiges Verhaltensmuster – basierend auf einem vom Glauben hergerührten Verstand.

Schlusswort

Wenn der Mensch richtig über sich, der Welt, Gott und dem jüngsten Tag denkt, erfährt er eine tiefe innere Ruhe, und stärkt in sich den Willen zum Leben. Das Streben nach richtiger Denkweise, bringt den Menschen zum Gipfel der Vollkommenheit, und motiviert ihn, richtig zu leben, und sich von allem Erniedrigungen und Verwirrungen zu distanzieren.



[1] وَأَدْعُو رَبِّي عَسَىٰ أَلَّا أَكُونَ بِدُعَاءِ رَبِّي شَقِيًّا, Maryam, Vers 48

[2] إِنَّ اللَّهَ عَزَّ وَجَلَّ لا يَستَجيبُ دُعاءً بِظَهرِ قَلبٍ ساهٍ، فَإِذا دَعَوتَ فاقبِل بِقَلبِكَ، ثُمَّ استَيقِن بِالإجابَةِ, Kellini, Mohammad bin Yaqoub, al-Kafi, Band 2, S. 473, Überlieferung 1, Teheran, Darol Kotob al-Islamiyah, 4. Auflage, 1407 nach dem Mondkalender

[3] Naraghi, Ehsan, Ghorbat Gharb, S. 18, Teheran, Sepehr Publikationen, 2. Auflage, 1354 nach dem iranischen Kalender (1975)



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