Islamisches Zentrum Hamburg
Delicious facebook RSS An einen Freund senden drucken speichern XML-Ausgabe HTML-Ausgabe Output PDF
Nachrichten Code : 188689
Datum der Veröffentlichung : 7/27/2017 6:20:00 PM
Aufrufe : 619

Die Religiöse Lebensweise (14)

Freitagsansprache von 02.06.2017
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Einer der wichtigsten Themen, in der die Religion eine wichtige Rolle spielt, ist die Minderung der Leiden der Menschheit. Aus diesem Grund müssen auch in diesem Bereich tiefgründige Studien unternommen werden, um die Stellung und Auswirkung der Religion bei der Behebung der seelischen Probleme der Menschen, die zu Identitätsverlust und Orientierungslosigkeit führen, zu erkunden. Weiterhin muss die Frage, ob die Natur und Wahrheit der Religion bei der Lösungsfindung der Probleme, mit denen die Menschen konfrontiert sind, helfen kann, behandelt werden.

Die Rolle des Glaubens bei der Behebung der seelischen Probleme

Allgemein kann man sagen: Die Religion besitzt die Eigenschaft, dass man bei der Behebung solcher Probleme sie zur Hilfe nehmen kann, vorausgesetzt, man befolgt sie richtig, und man zeigt Ausdauer und schenkt den verschiedenen Dimensionen der Religion genaue Beachtung. Man darf nicht oberflächlich die Religion betrachten, sich nicht von den Medien beeinflussen lassen und der Religion haltlose Anschuldigungen, wie: Gewaltverherrlichung, Verbreitung von Angst und Schrecken, geben. Solche Themen sind fern der Religion. Das, was in einigen islamischen Ländern im Namen der Religion geschieht, ist nicht die Natur der Religion. Wenn man sich unvoreingenommen der Religion nähert, wird man sehen, dass sie eine pädagogische Rolle bei der Behandlung verschiedener Krankheiten spielt, und den Menschen seelischen Frieden schenken kann. Wichtig dabei ist, dass man sich der Religion hingibt und nicht an deren Lehren zweifelt.

Die Vollkommenheit hängt vom Ausdauer gegenüber den irdischen Problemen ab

Man muss über die Überwindung der Leiden der Menschen durch die Religion sagen, dass der Islam eine wahrheitsorientierte Religion ist[1], und bezüglich der Definition der Natur des Menschen eine sehr genaue Ansichtsweise vorlegt. Allame Tabatabaei sagt in der Exegese der Sure Balad: „Diese Sure legt die Tatsache dar, dass die Schöpung des Menschen auf Qualen und Leid basiert. Sie werden keine Dignität in der Schöpfung finden die nicht mit Leiden einhergeht. Von dem Tag an, wo dem Körper im Mutterleib die Seele eingehaucht wird, bis zu dem Tag, an dem man zu Grabe getragen wird: Es gibt keine Ruhe und Frieden, ohne dass es mit Leiden verbunden ist– keine Fröhlichkeit ohne Widrigkeit. Nur im Jenseits sind die Annehmlichkeiten leidenslos.“[2] Der Mensch erleidet also seit dem Augenblick, wo er gezeugt wird, verschiedene Qualen, bis er endlich geboren wird – danach weiter in der Kindheit und Jugend und schließlich die Qualen des Alters. Das Leben ist von Anbeginn mit vielen Qualen verbunden. Realistisch betrachtet sind Leiden und Qualen in der Schöpfung in allen Stufen, von leblosen Steinen, Pflanzen und Tieren bis hin zum vollkommenheitsstrebenden Menschen, vorhanden. Daher muss der Mensch seine Kompetenzen nutzen und die Qualen erleiden, um letzendlich seine Vollkommenheit zu erlangen. Diese Leiden existieren, um den Menschen zur Vollkommenheit zu leiten.

Die Leiden der Menschen

Neben den naturgegebenen Qualen, die zum Überleben notwendig sind und alle damit zu kämpfen haben, erleidet der Mensch andere Leiden, die eher erwerblich und freiwillig sind. Mit anderen Worten, diese werden von den Menschen selbst herbeigeschaffen, und führen dazu, dass der Mensch einige Einschränkungen und Probleme erfährt. Manchmal entstehen diese auch durch Über- und Untertreibungen, und manchmal durch Sünden, die dann dazu führen, dass er büßen muss. Mit diesen Erläuterungen kann man nun die Leiden und Qualen in zwei Gruppen, nämlich „gezielte und bedeutungsreiche“ und „ziellose und unbedeutende“ einteilen.

Es sind die „gezielten und bedeutungsreichen“ Leiden, die Menschen zur Vollkommenheit führen, und dem Menschen Erhabenheit bescheren. Gott sagt in diesem Zusammenhang: „وَ لَنُذيقَنَّهُمْ مِنَ الْعَذابِ الْأَدْنى‏ دُونَ الْعَذابِ الْأَكْبَرِ لَعَلَّهُمْ يَرْجِعُون Und Wir werden sie vor der größeren Pein etwas von der diesseitigen Pein kosten lassen, auf dass sie dann umkehren.“[3] Der Mensch erleidet also die weltlichen Qualen, damit der wieder auf den rechten Pfad – den Weg zur Vollkommenheit – gelangt. Denn große Qualen erhärten den Menschen und führen ihn zur Vollkommenheit. Genauso wie das, was dem Prophet Abraham widerfahren ist. Jeder der Qualen und Prüfungen, die er zu bewältigen hatte, hatten ihre besonderen Hintergründe. Aber letztendlich führten sie dazu, dass Abraham zum Anführer der Menscheit ernannt wurde. Diese Leiden und Qualen offenbaren dem Menschen neue Wahrheiten und der Geist des Lebens erblüht in ihm.

Ausdauer bei den Qualen und Vollkommenheit und Glückseligkeit

Leid und Freud, Katastrophe und Glückseligkeit sind eng miteinander verbunden. Sie sind eine Art Training für den Geist, um Vollkommenheit zu erlangen. Man kann die selbsterschaffenen Qualen auf zwei Arten gegenübertreten. Erstens: Man kann sie abwehren, und sich mit richtigen Ansichten, Glauben und Taten erziehen, damit man für sich selbst, oder jemanden anderen, keine weiteren Qualen erschafft. Zum Beispiel darf man nicht zulassen, dass böswillige Menschen in einem Zweifel aufkommen lassen, sondern mit Selbstdisziplin und monotheistischen Ansichten, die Laster abwehren. Dies erfordert starken Willen, um den Menschen auf den richtigen Weg zu leiten.

Zweitens: Die zweite Form der Bekämpfung solcher künstlichen Leiden ist, dass man alles, was einem bedroht, bekämpft. Zum Beispiel bei Krankheiten sie behandelt, und der Probleme Herr wird. Seine Fähigkeiten und Stärken nutzt, um aus der Krise herauszukommen, und nicht aufgibt. Gott verspricht solchen Menschen, die nach der eigenen Vollkommenheit streben, und versuchen, sich zu verbessern, zu helfen und zu unterstützen, so dass sie niemals das Gefühl haben, allein zu sein, und der Teufel nicht von ihnen Besitz ergreift. Solche Menschen streben danach, wieder zurück zu Gott zu finden und den Weg zur Vollkommenheit einzuschlagen. Dafür müssen sie aufrichtig handeln. Dies ist der aufrichtige Umkehr, von dem im Koran steht: „يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا تُوبُوا إِلَى اللَّـهِ تَوْبَةً نَّصُوحًا O ihr, die ihr glaubt, kehrt zu Gott um in aufrichtiger Umkehr.“[4]



[1] Motahari, Morteza, gesammelte Werke von Shahid Motahari, (göttliche Weltanschauung), Band 2, S. 87, Teheran – Qom, Sadra, 8. Auflage, 1377 nach dem iranischen Kalender

[2] Tabatabei, Mohammad Hossein, Übersetzung der Tafsir al-Mizan, Band 20, S. 483, Qom, Büro für islamische Publikationen, 5. Auflage, 1374 nach dem iranischen Kalender

[3] As-Sajda, Vers 21

[4] At-Tahrim, Vers 8


Kommentar



Zeige nichtöffentliche