Islamisches Zentrum Hamburg
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Datum der Veröffentlichung : 7/27/2017 6:11:00 PM
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Die Religiöse Lebensweise (13)

Freitagsansprache von 19.05.2017
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Eine richtige Erkenntnis über die Religion und deren Umsetzung bringt dem Privatleben viele Vorteile.Unter anderem kann man von den spirituellen Auswirkungen und dem inneren Frieden, den man erlebt, sprechen – und die Kraft, die man bekommt, um die Probleme des Alltags zu bewältigen. Dies bewirkt wiederum, dass man mit Leichtigkeit die Hindernisse überwindet und sich nicht bei Schwierigkeiten zurückzieht.

Wie bewältigt man die alltäglichen irdischen Probleme

Einer der Punkte, der man besondere Beachtung schenken sollte, ist, dass das irdische Leben seine Besonderheiten hat. Der Mensch ist in diesem Leben mit Tod und Leben, Armut und Reichtum, Vernichtung und Bestand, Lust und Leid, Gesundheit und Krankheit, Jugend und Alter, Glück und Unglück und vieles andere konfrontiert, und es gibt keinen anderen Ausweg, als damit zu leben. Es stellt sich nur die Frage, wie man diese Aspekte definieren, behandeln und darauf reagieren sollte.

Jede Denkschule versucht zunächst diese natürlichen und unnatürlichen Phänomene zu definieren, und dann Wege zu finden, sie zu überwinden.[1] Eine Weltanschauung sollte alle diese Themen behandeln. Wenn sie dann auch noch Ideale und Ziele hat, kann sie dementsprechend auch Lösungswege vorlegen und die „Obligationen und Verbote“ bei jedem Ereignis bestimmen. Und was noch viel wichtiger ist: Sie kann Pflichtbewusstsein erwecken. Wenn sie es noch schafft, die Wege zum Ziel richtig vorzustellen, damit Fröhlichkeit, Opferbereitschaft und Freude ins Leben einziehen, und Friede, Spiritualität und Logik mit sich bringen. Eine philosophische oder wissenschaftliche Weltanschauung ist leider nicht in der Lage, diese Eigenschaften mit sich zu bringen. Eine göttliche Weltanschauung ist aber in der Lage, aufgrund einiger Kriterien, die die Menschen bei der Definition der Schöpfung haben und auch Widersprüche hervorrufen könnten, diese Widersprüche zu lösen und dem Menschen helfen, sie zu bewältigen.

Die beste Weltanschauung

Die beste Weltanschaung ist die, die Eigenschaften, wie Logik und Vernunft besitzt, damit sie dem Leben einen Sinn geben kann, und Freude und Fröhlichkeit beschert. Weiterhin muss sie eine spirituelle und heilige Definition – sowohl für das individuelle, als auch für das soziale Leben – haben, damit alle ein tiefgründiges Verständnis davon bekommen. Damit es aber wiederum allgemein begreiflich wird, muss sie für jederman verständlich sein, also nicht kompliziert dargestellt werden. Nach dem Verständnis kommt dann die Verpflichtung. Sie muss das Ziel der Schöpfung und Leben des Menschen auf einer annehmlichen Weise erklären, ohne vage zu erscheinen. Die islamsiche Gemeinschaft ist der Ansicht, dass die Propheten diese wichtige Rolle zur Vorstellung des Sinns und des Ziels auf bester Weise erfüllt haben. Ihre wichtigste Aufgabe seitens Gott war, dem Menschen zu lehren, sich selbst kennenzulernen und seine Existenz richtig zu definieren. Daher sind sie die ersten Darleger der heiligen Bücher. In vielen Koranversen wird auf diesen Aspekt hingewiesen: „لِتُبَيِّنَ لِلنَّاسِ مَا نُزِّلَ إِلَيْهِمْ damit du den Menschen klar machst, was ihnen offenbart worden ist.“[2] Es gibt keinen Zweifel, dass dieses Buch hinabgesandt wurde, um den Menschen mit sich selbst und seiner Persönlichkeit vertraut zu machen, und seine Stellung zu erläutern. Dies wird wiederum öfters im Koran erwähnt: „لَقَدْ أَنزَلْنَا إِلَيْكُمْ كِتَابًا فِيهِ ذِكْرُكُمْ ۖ أَفَلَا تَعْقِلُونَ   Wahrlich, Wir haben euch ein Buch hinabgesandt, worin eure Ehre liegt; wollt ihr es denn nicht begreifen?“[3]

Eigenschaften einer göttlichen Weltanschauung

Eine göttliche Weltanschauung gibt mit seiner Anziehungskraft und Liebe, die sie für das Dasein empfindet, ein besonderes Potential für eine teifgreifende Erkenntnis über das Leben, und führt zum Aufblühen des Lebens. Daher wird der Mensch nie in einer Sackgasse gelangen, denn in so einer Weltanschauung gibt es für den Menschen klare und geeignete Wege zum Austritt aus Erniedrigung und Ziellosigkeit. Hier sieht man, dass die islamische Weltanschauung, die von Offenbarungen herrührt, die Kraft besitzt, die verschiedenen Fragen der Menschen zu beantworten. Shahid Allameh Motahari sagt über die beste Weltanschauung: „Die beste Weltanschauung ist die, die als Quelle der Inspiration dienen kann und eine Stütze ist – für sich und die Menschen. In jeder Weltanschauung stoßen wir auf die Begriffe Gerechtigkeit und Gleichheit, Freiheit, Recht und Frieden. Wir müsen jedoch schauen, welche Weltanschauung diese Begriffe aus der Tiefe des Daseins heraus definiert, und ob ihre Bemühungen zur Gerechtigkeit und Gleichheit einher gehen mit Ehre der Schöpfung, und ob Ungerechtigkeit und Übergriff als eine Abweichung und Verdammnis gesehen werden, oder nicht.“[4]

Motahari ist der Ansicht, dass die islamsiche Weltanschauung alle Voraussetzungen und Kriterien einer guten und vollständigen Weltanschauung besitzt, und schreibt: „Eine göttliche Weltanschauung bedeutet, dass wir verstehen, dass die Welt aufgrund eines weisen Zieles entstanden ist. Eine göttliche Weltanschauung ist eine einpolige und einachsige Weltanschauung. Eine göttliche Weltanschauung bedeutet eine Welt die von ihm 'انّا لِلّه' stammt, und zu ihm zurückführt 'إِنَّا إِلَيْهِ راجِعُون'.“[5] In dieser Weltanschauung gehen alle Geschöpfe einen einen Weg und streben das Ziel der Vollkommenheit.“[6]

Nun muss nur die Frage beantwortet werden, ob der Islam, als eine göttliche Weltanschauung die Lösung aus den Qualen und Leiden der Menschheit besitzt oder nicht.



[1] Einiger dieser moralischen Aspekte, die auf Definition und Konfrontation hinweisen, sind unter anderem: Kantsche Moral, basierend auf guten Willen; Kynismus, basierend auf die Unabhängigkeit von Materiellem; Manichäismus, basierend auf Befreiung von Leid; Buddhismus, basierend auf die Befreiung von fleischlichen Lüsten; Epikureismus, basierend auf das Streben nach Lust und Laune; Marxismus, basiernd auf materielle Interessen und Überleben; Machiavellismus, basierend auf Herrschaft und Klassifizierungen; nietsches Moral, basierend auf Individualismus und Bipolarität; und islamische Moral, basierend auf Würde und Großmut, und die menschliche Persönlichkeit.

[2] An-Nahl, Vers 44

[3] Al-Anbis, Vers 10

[4] Motahari, Morteza, Notizen von Shahid Motahari, Band 2, S. 364, Teheran – Qom, Sadra, 1. Auflage, 1378 nach dem iranischen Kalender

[5] Wir gehören Allah und zu Ihm kehren wir zurück. Al-Baqara, Vers 156

[6] Ebenda, göttliche Weltanschauung, (gesammelte Werke von Shahid Motahari), Band 2, S. 83, Teheran – Qom, 8. Auflage, 1377 nach dem iranischen Klaender


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