Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 188663
Datum der Veröffentlichung : 7/27/2017 12:07:00 PM
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Die Religiöse Lebensweise (11)

Freitagsansprache von 28.04.2017
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Da der Glaube einer der wichtigsten Aspekte der religiösen Lebensweise darstellt und sogar die Hauptrolle spielt, muss man stets bemüht sein, ihn zu stärken. Zunächst muss man dafür die Faktoren, die den Glauben stärken, zu den Vorbildern seiner Taten machen. Aus diesem Grund werden wir uns heute mit den Faktoren, die den Glauben stärken, befassen. In den vorherigen Texten haben wir schin einige Faktoren – unter ihnen auch „Gedenken Gottes“ und „Koranrezitation“ – genannt.

Die Stellung der guten Tat bei der Stärkung des Glaubens

Dem Koran und den Überlieferungen zufolge nimmt die „Gute Tat“ eine sehr wichtige Stellung ein. Aus diesem Grund wird in vielen Koranversen, wo der Glaube zu Sprache kommt, auch die gute Tat erwähnt, wie zum Beispiel im folgenden Vers:

إِنَّ الَّذينَ آمَنُوا وَ عَمِلُوا الصَّالِحاتِ سَيَجْعَلُ لَهُمُ الرَّحْمنُ وُدًّا

Denen, die glauben und die guten Werke tun, wird der Erbarmer Liebe bereiten.[1]

In einem anderen Vers sagt Gott:

مَنْ عَمِلَ صَالِحًا مِّن ذَكَرٍ أَوْ أُنثَىٰ وَهُوَ مُؤْمِنٌ فَلَنُحْيِيَنَّهُ حَيَاةً طَيِّبَةً

Wer Gutes tut, ob Mann oder Weib, und dabei gläubig ist, den werden Wir bestimmt ein angenehmes Leben leben lassen.[2]

In der Sure al-Asr spricht Gott davon, wie die Menschen Verluste erleiden, außer diejenigen, die mit Glaube und gute Taten beflügelt sind:

إِلاَّ الَّذينَ آمَنُوا وَ عَمِلُوا الصَّالِحاتِ

Außer denjenigen, die glauben und die guten Werke tun[3]

In vielen anderen Koranversen werden diese beiden Fakten oft betont[4]. Der Grund dafür, warum der Koran und verschiedene Überlieferungen diese Tatsache betonen, ist, weil der wahre Glauben an Gott und dem Jenseits, den frommen Menschen zu gute Taten leitet. Mit anderen Worten wird der Glaube in guten Taten Früchte tragen. Es existiert eine Art Wechselbziehung zwischen dem Glauben und gute Taten. Wo der Glaube ist, werden auch gute Taten zu sehen sein, und wo gute Taten verrichtet werden, da wird auch der Glaube aufblühen. Wenn also jemand behauptet, dass ein Glaube ohne gute Taten auch ausreicht, so ist entweder sein Glaube schwach, oder er denkt nur, dass der glaubt, und hat tatsächlich nichts vom Glauben gespürt. Im Koran steht diesbezüglich:

يَوْمَ يَأْتي‏ بَعْضُ آياتِ رَبِّكَ لا يَنْفَعُ نَفْساً إيمانُها لَمْ تَكُنْ آمَنَتْ مِنْ قَبْلُ أَوْ كَسَبَتْ في‏ إيمانِها خَيْراً

Am Tag, da einige von den Zeichen deines Herrn kommen, nützt niemandem sein Glaube, wenn er nicht vorher geglaubt oder in seinem Glauben Gutes erworben hat.[5]

Was hierbei sehr wichtig ist, dass der Koran und die Überlieferungen gute Taten, als Taten, die Gott gefallen, bezeichnen. As Beispiel dafür sehen wir im Koran:

نَتَقَبَّلُ عَنْهُمْ أَحْسَنَ ما عَمِلُوا؛

von denen Wir das Beste von dem, was sie getan haben, annehmen[6]

Also ist das, was die Qualität der Tat bestimmt, der Glaube und der reine Wille. Ein Beispiel dafür kann man in der Sure Insan (Mensch) sehen, wo Imam Ali und Hazrate Zahra ein paar Laib Brot unter den Waisen, Obdachlosen und Gefangenen verteilen:

إِنَّمَا نُطْعِمُكُمْ لِوَجْهِ اللَّـهِ لَا نُرِيدُ مِنكُمْ جَزَاءً وَلَا شُكُورًا

Wir speisen euch nur um Allahs willen. Wir begehren von euch weder Lohn noch Dank dafür.[7]

Gottes Lohn für Mühe und Arbeit

Wenn die Mühe und Arbeit einem höheren Zweck dient, sieht Gott dafür einen Lohn vor:

وَأَن لَّيْسَ لِلْإِنسَانِ إِلَّا مَا سَعَىٰ[8]

und dass es für den Menschen nichts anderes geben wird als das, worum er sich (selbst) bemüht,

Gott verspricht denjenigen, die gutet Taten vollbringen, dass ihre Taten nicht nur niemals in Vergessenheit geraten, sondern belohnt werden:

إِنَّا لَا نُضِيعُ أَجْرَ مَنْ أَحْسَنَ عَمَلًا

Wir lassen den Lohn derer, die in ihrem Handeln rechtschaffen sind, nicht verlorengehen.[9]

Die Auswirkung des Gendenken des Todes auf die Stärkung des Glaubens

Einer der weiteren Faktoren, die den Glauben stärken, ist „des Todes gedenken“. Der gläubige Mensch versucht mit dem Gedanken an Gott und dem Tod, seine Taten zu korrigieren und den Weg des Seelenheils einzuschreiten. Wie „Gahzali“ sagt, ist ein göttliches Zeichen für den Erfolg, dass das Gedenken an den Tod stets vor den Augen des Menschen ist, und keine Sekunde in Vergessenheit gerät.[10] Ein Mensch, der stets an den Tod denkt, wird auch verantwortungsbewusster – sich selbst und den anderen gegenüber. Ein Gläubiger, der nicht weiß, was morgen mit ihm passieren wird und sich sicher ist, dass der Tod ihn aufsuchen kann, muss stets vorbereit sein, seine letzte Reise in den Jenseits antreten zu können. Imam Hassan sagt in den letzten Augenblicken vor seinem Dahinscheiden, als "Junadat bin Abi Omid“ ihn um einen Rat und eine Predigt bittet:

نَعَمْ اسْتَعَدَّ لِسَفَرِكَ وَ حَصِّلْ زَادَكَ قَبْلَ حُلُولِ أَجَلِكَ وَ اعْلَمْ أَنَّهُ تَطْلُبُ الدُّنْيَا وَ الْمَوْتُ يَطْلُبُك‏؛

Ja, bereite dich auf deine letzte Reise (in den Jenseits) vor, sammle deinen Vorrat für diese Reise, noch bevor der Tod dich aufsucht. Sei dir gewiss, dass du nach dem irdischen Leben strebst, und der Tod nach dir.[11] „Djaber ibn Abdullah Ansari“ berichtet, dass Imam Bagher bei einer Beerdigungszeremonie sagte: Der Gedanke an den Tod nacht uns auf den Jenseits aufmerksam, und führt dazu, dass wir unser Glauben stärken, um vor den Problemen standhaft zu sein, und nicht auf Abwegen zu geraten.“ Aus diesem Grund wird auch in den Koranversen und Überlieferungen betont, dass der gläubige Mensch stets „des Todes gedenken“ muss. Denn – wie auch der Koran sagt – ist dies der Weg, den alle einmal einschlagen werden:

كُلُّ نَفْسٍ ذَائِقَةُ الْمَوْتِ

Jedes Lebewesen wird den Tod erfahren[12]

Gedenken des Todes und dessen Auswirkungen

Der Gedanke an den Tod hat sehr wichtige Auswirkungen. Einer davon ist, dass es den Menschen daran hindert, sich den sinnlosen Spielen des Diesseits hinzugeben. Imam Ali sagt dazu:

أَمَا وَ اللَّهِ إِنِّي لَيَمْنَعُنِي مِنَ اللَّعِبِ ذِكْرُ الْمَوْت

Bei Gott! Der Gedanke an Gott hindert mich daran, sinnlos mit dem Leben zu spielen“[13]

Es führt dazu, dass der Mensch anfängt nachzudenken. Von Imam Sadegh wird überliefert:

ذِكرُ المَوتِ يُميتُ الشَّهَواتِ في النَّفسِ، ويَقلَعُ مَنابِتَ الغَفلَةِ، ويُقَوّي القلبَ بمَواعِدِ اللَّهِ، ويُرِقُّ الطَّبعَ، ويَكسِرُ أعلامَ الهَوى‏ ويُطفِئُ نارَ الحِرصِ، ويُحَقِّرُ الدُّنيا

Der Gedanke an Gott tötet die Triebe und fleischlichen Gelüste und verhindert das Wachsen der Unwissenheit. Er stärkt das Herz mit den Frohbotschaften Gottes, macht den Menschen sensibel und zerstört die Banner der Gelüste. Löscht das Feuer der Gier und lässt die Welt kleinlich erscheinen.[14]

Eine weitere Auswirkung des Gendenken des Todes ist, dass der Mensch von Gier befreit wird. Imam Ali sagt diesbezüglich:

وَ مَنْ أَكْثَرَ مِنْ ذِكْرِ الْمَوْتِ رَضِيَ مِنَ الدُّنْيَا بِالْيَسِير

Ein jeder der des Todes gedenkt, ist mit wenig welitlichem zufrieden.[15]

Weiterhin führt es dazu, dass man die Schwierigkeiten leichter erträgt, so wie Imam Ali sagt:

أَكْثِرُوا ذِكْرَ الْمَوْتِ وَ يَوْمِ خُرُوجِكُمْ مِنَ الْقُبُورِ وَ قِيَامِكُمْ بَيْنَ يَدَيِ اللَّهِ عَزَّ وَ جَلَّ تُهَوَّنْ عَلَيْكُمُ الْمَصَائِب

Erinnert euch stets an den Tag eures Todes und eure Wiederauferstehung und das Gegenübertreten vor eurem Schöpfer, um die Schwierigkeiten leichter ertragen zu können.[16]

Den Worten des Propheten (gegrüßet sei er) zufolge führt das Gedenken des Todes zur „Belebung des Herzens und die Leichtigkeit des Sterbens“, denn wie er sagt:

أكثِروا ذِكرَ المَوتِ، فما مِن عَبدٍ أكثَرَ ذِكرَهُ إلّا أحيا اللّهُ قلبَهُ وهَوَّنَ علَيهِ المَوتَ

Gedenket oft des Todes, denn Gott erhellt jedem, der des Todes gedenkt, sein Herz, und macht den Augenblick seines Todes leicht.[17]

Schlusswort

Es liegt klar auf der Hand, dass, wenn der Glaube des Menschen durch das Gedenken des Todes gestärkt wird, er mehr dazu neigt, gute Taten zu vollbringen. So wird auch sein Geist wachsen und Vollkommenheit erlangen, denn, wenn der Glaube gestärkt ist, wird auch die religiöse Lebensweise an Bedeutung gewinnen.



[1] Maryam, Vers 96

[2] Al-Nahl, Vers 97

[3] Al-Asr, Vers 3

[4] Wie: وَبَشِّرِ الَّذِينَ آمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ, Und verkünde denen, die glauben und die guten Werke tun al-Baqarat, Vers 25; und: وَالَّذِينَ آمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ أُولَـٰئِكَ أَصْحَابُ الْجَنَّةِ, Und diejenigen, die glauben und die guten Werke tun, das sind die Gefährten des Paradieses, Al-Baqarat, Vers 82; oder: وَ الَّذينَ آمَنُوا وَ عَمِلُوا الصَّالِحاتِ سَنُدْخِلُهُمْ جَنَّاتٍ تَجْري مِنْ تَحْتِهَا الْأَنْهارُ خالِدينَ فيها, Und diejenigen, die glauben und die guten Werke tun, werden Wir in Gärten eingehen lassen, unter denen Bäche fließen; darin werden sie auf immer ewig weilen., Al-Nissa, Vers 57

[5] Al-Anam, Vers 158

[6] Al-Ahqaf, Vers 16

[7] Al-Insan, Vers 9

[8] Al-Najm, Vers 39

[9] Al-Kahf, Vers 30

[10] Majhat al-Beiza, Band 8, S. 299

[11] Khazaz Razi, Ali ibn Mohammad, Kefayat al-Asar fi al-Nas ala al-Aemah al-Esna Ashar, S. 227, Qom, Bidar, 1401 nach dem Mondkalender; und Majlessi, Mohammad Bagher, Bahar al-Anvar, Band 44, S. 139, Überlieferung 6, Beirut, Dar al-Taras al-Arabiya, 2. Auflage, 1403 nach dem Mondkalender

[12] Al-Ankabut, Vers 57

[13] Nahjulbalaqe, Rede 84

[14] Djafar bin Mohammad, Imam Sadegh, Misbah al-Shariah, S. 171, 1. Auflage, 1400 nach dem Mondkalender, und Majlessi, ebenda, Band 6, S. 133, Überlieferung 32

[15] Nahjulbalaqe, Rede 349

[16] Ibn Babuye, Mohammad bin Ali, al-Khisal, band 2, S. 616, Qom, Djameeh Modarresin, 1. Auflage, 1362 nach dem iranischen Kalender

[17] Al-Hindi, Ali Mottaqi, Konz ol-Amal, Band 15, S. 544, Überlieferung 42105, Überarbeitet von Safwat al-Saqqa, Beirut, Maktab al-Taras al-Islami, 1. Auflage, 1397 nach dem Mondkalender


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