Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 188631
Datum der Veröffentlichung : 7/26/2017 12:22:00 PM
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Islamkunde 188 – Islam und moralische Rechte 33

Freitagsansprache von 02.09.2016
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten



Der Islam gibt bezüglich der sozialen Beziehungen genaueste Anweisungen, und hat auch für die auch Einschränkungen gesetzt.

Der Mensch holt sich Rat, um seine Arbeit zu korrigieren und richtige Entscheidungen zu treffen. Manchmal holt er sich für seine sozialen und alltäglichen Aktivitäten, bei seinen Vertrauten einen Rat. Manchmal ist er mit Personen konfrontiert, die in vielen Lebenslagen sein Gefährte sind – wie Arbeitskollege, Mitschüler und Freund und ... Manchmal berät jemand ihn und manchmal berät er jemanden. Alle diese Situationen haben Regelungen und Verordnungen, die man kennenlernen und respektieren muss.

Recht derjenigen, die um Rat fragen

Imam Sadjad spricht über denjenigen, der um Rat fragt, und sagt: „وَ أَمَّا حَقُّ الْمُسْتَنْصِحِ فَإِنَّ حَقَّهُ أَنْ تُؤَدِّيَ إِلَيْهِ النَّصِيحَةَ عَلَى الْحَقِّ الَّذِي تَرَى لَهُ أَنَّهُ يَحْمِلُ وَتَخْرُجَ الْمَخْرَجَ الَّذِي يَلِينُ عَلَى مَسَامِعِهِ وَتُكَلِّمَهُ مِنَ الْكَلَامِ بِمَا يُطِيقُهُ عَقْلُهُ فَإِنَّ لِكُلِّ عَقْلٍ طَبَقَةً مِنَ الْكَلَامِ يَعْرِفُهُ وَيَجْتَنِبُهُ وَلْيَكُنْ مَذْهَبُكَ‏ الرَّحْمَةَ وَ لاقُوَّةَ إِلَّا بِاللَّهِ Und das Recht derjenigen, die dich um Rat fragen, ist, dass du ihm soweit er vermag, berätst, und ihn in der Form ansprichst, dass es ihm gefällt und versteht. Du musst milde vorgehen.“[1]

Der Koran legt besonderen Wert auf Wohlwollen und Beratung in der Gesellschaft. Gott nennt die Propheten die Berater der Menschheit und nimmt dabei Noah als Beispiel, der gesagt hat: „أُبَلِّغُكُمْ رِسالاتِ رَبِّي وَ أَنْصَحُ لَكُمْ وَ أَعْلَمُ مِنَ اللَّهِ ما لاتَعْلَمُونَ Ich richte euch die Botschaften meines Herrn aus und rate euch gut. Und ich weiß von Gott her, was ihr nicht wisst.[2] Auch von den Propheten Salih (Shiloah)[3] und Shuayb (Jethro)[4] wird im Koran ähnliches überliefert.

Doch der Koran warnt auch davor, dass der Teufel und seine Gehilfe es mit Beraten versuchen, um ihr Vorhaben zu verwirklichen. Daher geben sie sich für Berater aus: „وَ قاسَمَهُما إِنِّي لَكُما لَمِنَ النَّاصِحين Und er schwor ihnen: «Ich bin zu euch einer von denen, die (euch) gut raten.»“[5] Dies ist ein sehr wichtiger Punkt, dass der Feind, durch Beratung versucht, das Vertrauen zu gewinnen. In der heutigen Zeit geben auch die Kollonialisten und Ausbeuter als Berater und Wohlwoller aus, um die Länder infiltrieren zu können, indem sie versuchen, den Glauben und die Moral zu vergiften und den Menschen auf Abwegen zu bringen. Dies ist die modere Form des Kollonialismus. Deshalb muss man besonders vorsichtig sein.

Wohlwollen aus der Sicht der Überlieferungen

In den islamischen Lehren und Überlieferungen werden alle dazu aufgerufen, anderen wohlwollend gegenüber zu sein. Sie werden aufgefordert, Seelenheil für die anderen zu wollen. Imam Sadegh sagt diesbezüglich: „يَجِبُ‏ لِلْمُؤْمِنِ‏ عَلَى‏ الْمُؤْمِنِ‏ أَنْ يُنَاصِحَهُ Es ist die Pflicht eines Gläubigen, den anderen Gläubigen zu beraten.“[6] Natürlich ist in dieser Überlieferung mit Beratung gemeint, dass sie bezüglich der religiösen und weltlichen Angelegenheiten rechtgeleitet werden.

Der Berater muss also sich in den wohlwollenden Methoden gut auskennen und sie einsetzen. Ausßerdem muss er wissen, dass wohlwollen nicht nur aus Worten besteht. Manchmal ist es ein Blick, manchmal Schweigen und auch andere Wege. Er muss wissen, wie er andere beeindrucken kann, denn dies ist bei jedem anderen unterschiedlich. Imam Sadjad sagt: „لَيْسَ لَكَ أَنْ تَتَكَلَّمَ بِمَا شِئْتَ لِأَنَّ اللَّهَ تَعَالَى قَالَ‏ «وَ لا تَقْفُ ما لَيْسَ لَكَ بِهِ عِلْمٌ»‏ وَ لِأَنَّ رَسُولَ اللَّهِ(ص) قَالَ رَحِمَ‏ اللَّهُ‏ عَبْداً قَالَ‏ خَيْراً فَغَنِمَ‏ أَوْ صَمَتَ فَسَلِم Du darfst nicht alles, was du willst, sagen, denn Gott sagt: 'Befolge nichts, wovon du keine Ahnung hast', und der Prophet (gegrüßet sei er) sagt: 'Gott segnet den Diener, der mit seinen Worten Güte verbreitet, oder schweigt um heil zu bleiben'[7] Der Gäubiger muss also seinen Rat in Freundlichkeit einhüllen, damit der andere versteht, dass der Gläubige sein Wohlwollen möchte! Manchmal ist ein Rat zur falschen Zeit und nicht deutlich. Manchmal ist ein Rat vor Anderen eher eine Erniedrigung und kein Wohlwollen und Ratschlag.

Recht des Beraters

Genauso wie der zu Beratende Rechte gegenüber dem Berater hat, hat dieser auch Rechte. Imam Sadjad sagt: „وَ أَمَّا حَقُّ النَّاصِحِ فَأَنْ تُلِينَ لَهُ جَنَاحَكَ ثُمَّ تَشْرَئِبَّ لَهُ قَلْبَكَ‏ وَ تَفْتَحَ لَهُ سَمْعَكَ حَتَّى تَفْهَمَ عَنْهُ نَصِيحَتَهُ ثُمَّ تَنْظُرَ فِيهَا فَإِنْ كَانَ وُفِّقَ فِيهَا لِلصَّوَابِ حَمِدْتَ اللَّهَ عَلَى ذَلِكَ وَ قَبِلْتَ مِنْهُ وَ عَرَفْتَ لَهُ نَصِيحَتَهُ وَ إِنْ لَمْ يَكُنْ وُفِّقَ لَهَا فِيهَا رَحِمْتَهُ وَ لَمْ تَتَّهِمْهُ وَ عَلِمْتَ أَنَّهُ لَمْ يَأْلُكَ نُصْحاً إِلَّا أَنَّهُ أَخْطَأَ إِلَّا أَنْ يَكُونَ عِنْدَكَ مُسْتَحِقّاً لِلتُّهَمَةِ فَلَا تَعْبَأْ بِشَيْ‏ءٍ مِنْ أَمْرهِ‏ عَلَى كُلِّ حَالٍ وَ لاقُوَّةَ إِلَّا بِاللَّه Aber das Recht des Berater ist, dass du ihm gegenüber Demut zeigst, ihm zuhörst und seinen Ratschlag verstehst, darüber nachdenkst und, wenn er gerecht ist, Gott dafür dankst und den Ratschag annimmst und den Berater würdigst. Und wenn er keinen gerechten Ratschlag gegeben hat, sollst du mit ihm freundlich sein und ihn nicht beschuldigen. Du musst wissen, dass er dein Wohlwollen beabsichtigte, aber einen Fehler machte. Es ei denn, du bist dir sicher, dass er es verdient hat, beschuldigt zu werden. Dann darfst du unter keinen Umständen seinen Worten glauben, und ihm nicht vertrauen. Es gibt keine Kraft außer durch Gott.“[8]

Was man diesen Worten entnehmen kann, ist, dass der Mensch sich mit Demut die Ratschläge anhören, und ihnen befolgen muss, dabei soll man für Gottes Gaben danken. Natürlich darf man den Berater, wenn er einen Fehler macht, nicht beschuldigen, denn dies ist nicht angemessen. Man sollte ihn sogar sehr würdigen, weil er einem berät und wohlwollen möchte.

Imam Ali sagt: „لِيَكُنْ أَحَبُ‏ النَّاسِ‏ إِلَيْكَ‏ الْمُشْفِقَ النَّاصِحَ der beliebteste Mensch für dich, muss ein liebevoller Mensch sein, der dein Wohlwollen möchte.“[9] An einer anderen Stelle sagt er : „مَنْ‏ أَعْرَضَ‏ عَنْ‏ نَصِيحَةِ النَّاصِحِ‏ أُحْرِقَ بِمَكِيدَةِ الْكَاشِحِ Jeder, der sich von den Ratschlägen der Ratgeber abwendet, wird am Feuer der Intrige derjenigen, die ihren Feind verbergen, verbrennen.“[10] Einer der größten Segen ist, dass der Mensch den Ratschlägen folgt, denn darin liegt sein Seelenheil. Weiterhin sagt Imam Ali: „مِنْ‏ أَكْبَرِ التَّوْفِيقِ‏ الْأَخْذُ بِالنَّصِيحَةِ؛ Der größte Segen ist, einen Ratschalg anzunehmen“[11] an einer anderen Stelle sagt er wiederum: „مُنَاصِحُكَ‏ شَفِیقٌ عَلَيْكَ مُحَسِنٌ إِلَيْكَ نَاظِرٌ فِي عَوَاقِبِكَ مُسْتَدْرِكٌ فَوَارِطَكَ فَفِي طَاعَتِهِ رَشَادُكَ وَ فِي مُخَالَفَتِهِ فَسَادُكَ Dein Berater ist freundlich mit dir, und will nur Gutes für dich. Er kennt das Ergebnis deiner Taten. Er vergibt dir deine Schuld in seiner Güte für dich. In seiner Befolgung liegt dein Aufblühen und Selenheil, und in der Ablehnung seiner Ratschläge liegt dein Untergang.“[12]

Wenn man die Gesamtheit der Worte des Propheten und der Mitglieder seines Hauses (Masumin) über Ratschlag und Wohlwollen betrachtet, kommt man unweigerlich zu dem Schluss, dass, wenn sich die Idee der Beratung und Wohlwollen in der Gesellschaft verbreitet wird, sich daurch viele Probleme, besonders die individuellen und privaten, lösen. All dies bezeugt davon, dass der Islam im gesellschaftlichen Bereich sehr genaue Verordnungen und Reglen hat, mit deren Befolgung die Gesellschaft der Himmel auf Erden wird.



[1] Ibn Sha´ba Harrani, Hassan bin Ali, Tohfa al-Oqul, S. 269, Qom, Djameeh Modarressin, 2. Auflage, 1404 nach dem Mondkalender

[2] Al-A´raf, Vers 62

[3] فَتَوَلَّىٰ عَنْهُمْ وَقَالَ يَا قَوْمِ لَقَدْ أَبْلَغْتُكُمْ رِسَالَةَ رَبِّي وَنَصَحْتُ لَكُمْ وَلَـٰكِن لَّا تُحِبُّونَ النَّاصِحِينَ So kehrte er sich von ihnen ab und sagte: «O mein Volk, ich habe euch die Botschaft meines Herrn ausgerichtet, und ich habe euch gut geraten. Aber ihr liebt die nicht, die gut raten.», Al-A´raf, Vers 79

[4] فَتَوَلَّىٰ عَنْهُمْ وَقَالَ يَا قَوْمِ لَقَدْ أَبْلَغْتُكُمْ رِسَالَاتِ رَبِّي وَنَصَحْتُ لَكُمْ ۖ فَكَيْفَ آسَىٰ عَلَىٰ قَوْمٍ كَافِرِينَ sagte: «O mein Volk, ich habe euch die Botschaften meines Herrn ausgerichtet, und ich habe euch gut geraten. Wie könnte ich betrübt sein über ungläubige Leute?», ebenda, Vers 93

[5] Al-A`raf, Vers 21

[6] Kellini, Mohammad bin Yaghoub, al-Kafi, Band 2, S. 208, Überlieferung 1, Teheran, Dar ol-Kotob al-Islamiah, 4. Auflage, 1407 nach dem Mondkalender

[7] Arizi, Ali in Djafar, Masail Ail bin Djafar va Mostadrakatiha, S. 344, Überlieferung 847, Al-al-Beyt Institut, 1. Auflage, 1409 nach dem Mondkalender

[8] Ibn Sha´ba Harrani, ebenda

[9] Tamimi, Amodi, Abdulvahid bin Mohammad, Ghararol Hekam va Dorarol Kalam, S. 549, Überlieferung 73, Darol Ketabe Islami, 2. Auflage, 1410 nach dem Mondkalender

[10] Ebenda, S. 631, Überlieferung 1043

[11] Ebenda, S.674,Überlieferung 55

[12] Ebena, S. 709, Überlieferung 128


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