Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 186661
Datum der Veröffentlichung : 4/14/2017 12:06:00 PM
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Die religiöse Lebensweise (6)


Freitagsansprache von 17.02.2017
von Ayatollah Dr. Ramezani Imam und Leiter des Islamischen Zentrums Hamburg e.V

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers
Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

Wenn die Menschheit nach der wahren Existenz gemäß seiner Bedürfnisse ist, so muss er nach einer Religion streben, denn ohne eine Religion kann der Mensch nicht seine wahren Bedürfnisse entfalten. Es liegt klar auf der Hand, dass mit der wahren Existenz des Menschen, nicht die materielle Existenz gemeint ist, sondern das Verständnis über die wahren humanen Dimensionen. Aus diesem Grund muss man nach Antworten auf diese Fragen finden: Warum benötigt die Menschheit Religion? Und warum kann man ohne Religion nicht alle Dimensionen seiner Existenz entfalten? Aus diesem Grund muss das Bedürfnis der Menschheit nach Religion als ein wahres und inneres Bedürfnis analysiert werden, denn Themen, die unter dem Motto „Die Erwartungen der Menschen von der Religion“ behandelt werden, sind vage, denn der „Mensch“ tritt anstelle des Rechts an und bekommt eine zentrale Rolle. Diese These ist nach der Renaissance und der humanistischen Betrachtungsweise gegenüber der Menschen aufgetaucht. In dieser Betrachtungsweise zufolge werden Religion und die grundlegendsten religiösen Begriffe, wie Gott, abgeschafft. Daher scheint es, dass diejenigen, die das Thema „Die Erwartungen der Menschen von der Religion“ ansprechen, in Wahrheit nicht die Begriffe „Recht und Unrecht“ definieren wollen, und auch nicht die wahren und natürlichen Bedürfnisse der Menschen – nach Recht und Unrecht – zu zentralisieren, sondern versuchen alle Probleme der Menschen, als den Kernpunkt von allem, zu lösen. Kann die Religion überhaupt in dieser Zeit die Bedürfnisse der Menschen decken? Wird die Lebensweise der heutigen Gesellschaft so handgehabt, dass ohne Religion alle Bedürfnisse gedeckt werden? Wenn das Leben der Menschen ohne Glauben an Gott und dem Jenseits ganz gut gehandhabt werden kann, warum müssen sich dann die Menschen damit befassen? Dasselbe gilt auch für andere Themen wie Ethik und Wissenschaft … Zweifellos führt so eine Ansichtsweise gegenüber religiöse Themen führt dazu, dass die Religion vollständig beiseitegelassen werden, und andere auch zu so einer Einstellung aufgefordert werden. Zu den Folgen so einer Einstellung gehört auch, dass das Bedürfnis nach Religion sowohl im privaten, als auch sozialen Bereich vollkommen verdrängt wird.

Erwartung der Religion vom Menschen

Im Gegensatz zu dem, was in zuvor gesagt wurde, muss man fragen: „Welche Erwartungen hat die Religion vom Menschen?“ oder „Wie sieht der Bedarf des Menschen nach der Religion aus?“ Denn hierbei kommt das Thema zur Sprache, welches Ziel hatte Gott, als Erschaffer der Welt und des Menschen, bei der Schöpfung des Menschen? Was ist der Grund für die Schöpfung? In welchen Fällen braucht der Mensch die Religion und deren Lehren für seine Glückseligkeit – sowohl in diesseits, als auch im Jenseits? Imam Sadegh sagt in einer präzisen Definition darüber: „Das ganze Wissen der Menschen habe ich in vier Teile gesehen: Erstens deinen Gott zu kennen; zweitens zu wissen, was er mit dir gemacht hat drittens zu wissen, was er von dir will; und vierten zu wissen, was dich von deinem Glauben ablenkt.“[1]

Warum braucht die Menschheit Religion?

Um diese Frage, warum der Mensch die Religion braucht und ohne den Glauben sein Leben und seine Existenz keine Bedeutung findet, beantworten zu können, muss man ganz genau nachdenken, um eine richtige Antwort zu finden. Zunächst muss man wissen, dass der Mensch eine Neigung hat, die überhaupt nicht mit seinen materiellen Dimensionen übereinstimmt, das heißt, sie ist von den weltlichen Angelegenheiten fern, wie die Neigung zum Beten, Glauben, Neigung zur Tugendhaftigkeit, Innovation, Drang zum Suchen und Finden. Auf diese Neigungen werden sowohl in der Religion, als auch in der Psychologie wert gelegt. Sie sind der Ansicht, dass der Mensch vier Dimensionen, oder vier Instinkte hat. Eine Dimension ist „Wissenschaft und Neigung zur Kenntnis“, er will das, was geschehen ist oder wird, verstehen, daher verfolgt er es. Selbst ein Neugeborener sucht, wenn er eine Stimme hört, nach dem Ursprung der Stimme. Dies ist auch der Grund für den ununterbrochenen Fortschritt der Menschheit in der Wissenschaft. Die zweite Dimension ist „die Suche nach Ethik und Tugend“. Mit einem kleinen Studium wird man erkennen, dass alle Menschen – selbst diejenigen, die ungerechtes tun und verdorben sind – sich nach dem Guten sehnen. Kinder wollen immer die Wahrheit sagen und möchten nicht lügen, weil die Wahrheit einer der heiligen Neigungen aller Menschen ist. Manchmal kommt es jedoch vor, dass aufgrund einiger Fehlleitungen mit der Zeit beginnen zu lügen, und zu einem Lügner werden. Dies ist nicht unser Thema und deshalb wollen wir es näher bearbeiten. Nur soweit, dass diese Neigung in der Natur aller Menschen ist. Die dritte Dimension ist „Hang zur Schönheit“, alle Menschen lieben das Schöne, und genießen es, wenn sie etwas Schönes betrachten, wie eine schöne Schrift, ein schönes Bild und auch schöne Architektur. Die vierte Dimension ist der „Hang zum Glauben und Neigung zum Gebet“. Dies ist die Beachtung des Immateriellen und Übernatürlichem. So existiert in allen Menschen ein Hang zur Religion und Glaubensangelegenheiten. Es kann jedoch sein, dass dieser Hang durch weltliche Ereignisse vernebelt wird, jedoch unmöglich, dass im Innersten des Menschen dieser Hang – wenn man in sich geht – nicht wiedererweckt werden kann. Daher erkennt der Gott diese Neigung als eine natürliche Neigung: „So richte dein Antlitz auf den Glauben wie ein Aufrechter (und folge) der Natur, die Allah geschaffen – worin Er die Menschheit erschaffen hat.“[2] Es ist der Glaube an den religiösen Lehren wodurch der Mensch die Antworten auf viele Fragen über sich finden kann, wie: Woher komme ich, warum wurde ich erschaffen und wohin wird meine Reise sein? Ich diese Welt die Endstation? Oder wird es ein Leben nach dem Tod geben?

Wir dürfen nicht vergessen, dass, wenn wir sagen, Religion ist was Natürliches, es bedeutet, dass alle Menschen diese Neigung in ihrer Natur besitzen, nie verschwindet und ihn in allen Lebenslagen begleitet. Anders als die materiellen Angelegenheiten, die einen Grund brauchen und nicht natürlich sind. Sie können sich den Umständen entsprechend ändern und auch entschwinden.

 

[1] Kelini, Mohammad bin Yaghoub bin Is´hagh, al Kafi, 1. Bnd., S. 49, Überlieferung 11, Teheran, Dar ol Ketab al Islamiah, 4. Auflage, 1407 nach dem Mondkalender

[2] Sura Ar-Rum, Vers 30


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